Erste Erfahrungen aus dem Lehrgang „Systemische Mediation, Konflikt-Coaching und lösungsfokussiertes Verhandeln in Organisationen“

Das Jahr 2020: Das Coronavirus hat unser Leben auf den Kopf gestellt – privat, beruflich, gesellschaftlich. Neben den vieldiskutierten Einschränkungen hat uns diese Pandemie eines vor Augen geführt – Konflikte sind allgegenwärtig und vor allem in belastenden Situationen besonders kritisch. Als Studierender im Jahr 2020 gab es etliche Möglichkeiten für das Erleben neuer Konflikte im Alltag: Die Quarantäne gemeinsam mit dem/der sturen Mitbewohner:in verbringen? Zum/zur Partner:in ziehen und da den Lockdown auf engem Raum verbringen ohne Freund:innen treffen zu können? Prüfungen online schreiben, auch wenn das WLAN wieder hängt, aber der/die Dozent:in hat dafür kein Verständnis? Kein Fitnessstudio hat geöffnet, um einfach mal Luft abzulassen? Alles Dinge, die das studentische Nervenkostüm mehr als strapazieren. Und trotzdem müssen Klausuren und Hausarbeiten geschrieben, Gruppenarbeiten organisiert und das nächste Praktikum gefunden werden. Ganz schön viel Potential für Sprengstoff im eigenen Leben.

Im On Track-Team interessieren uns genau diese Probleme: Was beschäftigt Studierende in diesen ungewohnten Zeiten? Wie können wir eine bestmögliche Unterstützung bieten? Und wie können wir die Zeit im Lockdown gut nutzen? Gemeinsam mit der Salzburg Management Business School der Universität Salzburg (SMBS) sowie der Concadora GmbH haben wir unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Eva Jonas und Rudi Ballreich, M.A. einen Lehrgang zu Konfliktmanagement entwickelt. Dieser richtet sich sowohl an Berufstätige als auch an Studierende, zielt auf eine persönliche Weiterentwicklung ab und ermöglicht Euch, neben dem Studium eine Qualifikation zu erwerben, die Ihr sowohl privat als auch beruflich nutzen könnt.

Wer möchte nicht über eine Persönlichkeit verfügen, die in Konflikten gelassen bleibt, schnelle und effektive Lösungen findet oder, so sehen es wir, Konflikte am liebsten erst gar nicht eskalieren lässt!?! Nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Kontext stellt diese Fähigkeit einen wahren Mehrwert dar: Konflikte effektiv managen zu können, unabhängig davon, ob in einer vermittelnden Position zwischen zwei Personen oder gar zwischen Teams, ist in der Berufswelt mittlerweile ein gewünschtes Must-Have. Personen, die es schaffen, Streitende wieder auf eine sachliche und zielorientierte Ebene zu bringen, sind mehr als gefragt. Umso besser ist es natürlich, wenn man das Ganze sowohl in Präsenz mit den Personen vor Ort als auch im digitalen Raum kann.

Erste Erfahrung im Lehrgang

Anna und ich sind Doktorand:innen am Fachbereich Psychologie und dürfen den ersten Online-Durchgang dieses Lehrgangs für Euch testen. Für uns beide ist das die erste große außeruniversitäre und auch noch digitale Ausbildung. Dementsprechend gespannt waren wir, wie sich ein solcher Zertifikatslehrgang gestaltet. Gerade haben wir beide das zweite Modul des Lehrgangs abgeschlossen. Der Lehrgang ist in vier Module aufgeteilt, die jeweils ab Donnerstagabend und dann ab Freitag ganztätig bis Sonntag stattfinden. Rudi Ballreich und sein Team führen diesen Lehrgang mit einer unglaublichen Methodenvielfalt durch. Ob Vermittlung von Theorie in der Großgruppe, individuelle Lernerfahrung in Kleingruppen oder Zweierteams – auf jeden Fall keine Spur von Zoom-Fatigue. Ganz im Gegenteil, der Online-Lehrgang ist geprägt von sehr viel persönlicher Interaktion, es ist viel Zeit und Raum für das Stellen von Fragen eingeplant und jeder hat die Möglichkeit sich jederzeit Feedback von der Gruppe einzuholen.

Die Ausbildung startet mit einer Einführung in das Konflikt-Coaching. Wir werden dafür geschult, Personen zu beraten, die in einem Konflikt mit (einer) anderen nicht-anwesenden Person(en) stehen. Wir lernen, wie man individuelle Sichtweisen voneinander unterscheidet, Gefühle des Gegenübers wahrnimmt bzw. spiegelt und schlussendlich auch deren Bedürfnisse im Konflikt herausarbeitet. Die weiteren Module behandeln dann die Mediation von Konflikten, bei denen beide Parteien anwesend sind, und schließlich auch das Managen von Konflikten in Teams. Eine ganz schöne Herausforderung!

Themenschwerpunkte der einzelnen Module

Ergänzt werden die 4 Module durch Kleingruppenarbeiten zwischen den vier Lehrgangswochenenden. In festen Peer-Gruppen werden ganz im Sinne des agilen Lernens selbstorganisiert individuelle Lernprodukte gestaltet. Ob Quiz oder Animationsfilm – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Besonders diese intensive Lernerfahrung mit anderen Teilnehmenden zu teilen, ist wirklich bereichernd und ermöglicht neue Chancen, das Wissen aufzubauen und zu festigen. Hier ein Beispiel aus der ersten Runde!

Online Lehrgänge – ist das was für mich?

Nachdem wir diesen Text direkt nach dem Wochenende verfasst haben, möchten wir euch an dieser Stelle vorwarnen: Jedes der Module ist anstrengend. Und fordernd. Und intensiv. Gleichzeitig aber auch unfassbar lehrreich. Inspirierend. Vielfältig. Und am Wichtigsten: Nie langweilig!

Eine klare Empfehlung, weil:

  • sehr innovativ und kreativ
  • viel Zusammenarbeit in kleinen Gruppen
  • ideale Stoffmenge, viele Wiederholungen
  • ausreichende Pausen
  • sehr persönlich, keine Hierarchien
  • Feedback klar erwünscht
  • großartige Tools und Plattformen

Zu beachten ist:

  • zeitaufwendig und fordernd
  • Einheiten beginnen früh, enden spät
  • Selbstmanagement erforderlich
  • 100% Präsenz empfehlenswert

Wenn Ihr von Blockseminaren bisher nicht begeistert wart und das eher für eine Zeitverschwendung haltet, können wir an dieser Stelle nur empfehlen, Euch im Lehrgang vom Gegenteil zu überzeugen. Rudi Ballreich und sein Team schaffen es, die Ausbildung zu einem Erlebnis werden zu lassen. Sie schaffen einen sicheren und wertschätzenden Rahmen für Lernen mit Anderen und durch Andere. Und sie bringen digitales und reales Lernen auf ein neues Level.

Resumé

Alles in allem können wir eine vollumfängliche Empfehlung abgeben, an diesem Zertifikatslehrgang teilzunehmen! Die nächste Möglichkeit zur Teilnahme bietet sich im März 2021. Da startet der Lehrgang in die zweite Runde.  Das Besondere hierbei ist, dass die Ausbildung nicht nur agil, praxisorientiert und innovativ aufgebaut ist, sondern dass das Ganze wissenschaftlich evaluiert wird. Ihr habt also die Chance neben dem Zertifikatslehrgang auch gleich an einem Forschungsprojekt teilzunehmen und die Ausbildung nach Euren Erfahrungen und Einschätzungen weiterzuentwickeln. Und das hat neben kleinen Einblicken in die Forschung zum Thema Mediation und innovatives Lernen für Euch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Die Mediationsausbildung wird für Vollzeit-Studierende der Universität Salzburg 2000,-€ kosten (Bedienstete und Externe: 2500,-€). Diese Kosten liegen damit deutlich unter dem marktüblichen Preisniveau. Mit einem Aufbaumodul, welches ca. ein Jahr nach Beendigung des Zertifikatslehrgangs stattfindet, ist dann auch eine offizielle Eintragung als Mediator:in möglich.

Der kommende Lehrgang wird als Präsenz-, Online- oder hybride Veranstaltung stattfinden. Die Zuteilung in die Gruppen wird aus wissenschaftlichen Gründen randomisiert erfolgen. Es werden sich Anpassungen aufgrund der Corona-Situation vorbehalten. Die Teilnehmenden werden spätestens zwei Wochen vor dem ersten Termin darüber informiert, welcher Gruppe sie zugelost wurden bzw. welche Umsetzung aufgrund der Corona-Pandemie möglich ist.

Weitere Informationen werden am Mittwoch, den 20. Januar 2021 um 17.00 Uhr bei unserer Online-Informationsveranstaltung geteilt (Anmeldung unter julius.moeller@sbg.ac.at) oder über die Website.

Gerne könnte Ihr mich auch per E-Mail unter julius.moeller@sbg.ac.at kontaktieren.

Titelbild: Photo by Icons8 Team on Unsplash
Grafik: Concadora GmbH